Ein trauriger Tag für Annaburg

Die Stadt Annaburg bedauert es sehr, dass die Firma Annaburg Porzellan GmbH ihre Tore schließen muss. Wir alle fühlen mit den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die jetzt auf der Straße stehen; wir fühlen mit ihren Angehörigen. Und wir empfinden mit dem Geschäftsführer, der aus unserer Sicht alles getan hat, um die Firma zu retten, und nun auch sein Lebenswerk zerschlagen sieht.

Die Enttäuschung aller Betroffenen, ihr Zorn und ihre Trauer, sie sind nur zu verständlich. Es ist ein herber Schlag, einen Arbeitsplatz zu verlieren, den viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bereits jahrelang innehatten. Sie sorgen sich um ihre Zukunft und die ihrer Familien; sie fragen sich, ob es auch künftig gelingen wird, die Existenz zu sichern. Es ist empörend, es macht betroffen, mitanzusehen, wie schnell ein renommiertes Unternehmen, das sich lange Jahre am Markt behauptet hat, wie schnell es an seine Grenzen kommt.

Jede Schließung bedeutet einen Rückschlag. Schließlich ist der Name „Annaburger Porzellan“ für die Region und besonders für die Menschen hier in Annaburg auch ein Identifikationsfaktor gewesen. Wir können auf keinen Arbeitsplatz verzichten, damit die Annaburgerinnen und Annaburger bei uns ihr Auskommen finden. Doch die Möglichkeiten, die die Politik hier hat, sind begrenzt. Politiker können weder Arbeitsplätze aus dem Boden stampfen noch alle Brände löschen. Wer anderes behauptet, macht sich und allen anderen etwas vor. Eines wird jedoch immer deutlicher; eine wachsende Globalisierung der Wirtschaft, die sicher auch einigen Vorteile bringt, schlägt am Ende auf die regionalen und lokalen Ebenen negativ zurück. Es ist gewiss ungerecht, das hiervon vor allem die betroffen sind, die sie nicht verursacht haben. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und auch Unternehmen wie die Annaburger Porzellan GmbH haben nicht wild spekuliert oder riskante Transaktionen vollzogen. Aber sie werden in diese wirtschaftlichen Zwänge hineingezogen und müssen sie mit ausbaden.

Es gibt an dieser Situation nichts zu beschönigen, Versprechungen würden ins Leere laufen. Dennoch bleibt es wichtig, nicht den Mut und damit die Handlungsfähigkeit zu verlieren. Wir hoffen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dass sich Ihnen eine neue Chance eröffnet. Nutzen Sie alle Möglichkeiten, die sich Ihnen bieten.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien, dass Sie bald einen neuen Job finden, sowie viel Kraft und alles Gute.

Klaus-Rüdiger Neubauer
Bürgermeister

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