Vertrauensvolles Miteinander

Sehr geehrte Einwohnerinnen und Einwohner unserer Stadt Annaburg,

nach den Ereignissen der letzten Tage und Wochen in Annaburg, sehe ich mich als ihr Bürgermeister in der Pflicht, zu bestimmten Fragen Stellung zu beziehen. Die am letzten Montag stattgefundene Veranstaltung hatte das Ziel, Aufmerksamkeit und Unterstützung zur Klärung bestimmter sich angestauter Fragen zu erlangen. Die freiheitlich demokratische Grundordnung der BRD, die wir uns vor 25 Jahren erkämpft haben, bildet die Grundlage jeglicher öffentlicher, nicht staatlicher Meinungsbildung und Äußerung.
Sollte es nach dem friedlichen Verlauf im Annaburger Marktbereich am Montagabend, jedoch zu Anfeindung gegenüber unseren bosnischen Mitbürgern gekommen sein, so distanziert sich die Stadt Annaburg aufs Äußerste gegenüber diesen, wohl ortsfremden Personen, welche die Veranstaltung zu Meinungsbekundungen nutzen wollten. Wir möchten in diesem Fall gegenüber unseren bosnischen Mitbürgern unser Bedauern zum Ausdruck bringen und ihnen mitteilen, dass die Stadt Annaburg zu jedem Zeitpunkt beabsichtigt, offene Probleme und Sorgen gemeinsam und kooperativ in Angriff zu nehmen. Ziel soll es sein ein gemeinsames friedliches und offenes, von Respekt und Vertrauen getragenes Zusammenleben zu schaffen.

In diesem Zusammenhang muss gleichzeitig erwähnt werden, dass es bereits im Vorfeld der Veranstaltung offene und sachdienliche Kooperationsgespräche zwischen der Stadtverwaltung, den Organisatoren der Veranstaltung, örtlichen Verantwortungsträgern, den Sicherheitskräften sowie Vertretern der bosnischen Familien gab. Diese Gespräche bildeten auch die Grundlage für das verantwortungsbewusste und besonnene Handeln unserer bosnischen Mitbürger, welche sich nicht durch Äußerungen einzelner Personen provozieren ließen und sich genau an bestehende Absprachen und ihr gegebenes Wort hielten. Gleichzeitig möchte ich den eingesetzten Polizeikräften, dem Veranstalter und dessen Ordnern für ihr professionelles, schnelles und sicheres Handeln danken. Alle Genannten haben durch ihr Handeln dafür gesorgt, dass die Stadt Annaburg nicht in eine mögliche fremdenfeindliche Nähe gerückt werden konnte.

Abschließend möchte ich gegenüber alle Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt zum Ausdruck bringen, dass auch durch unsere bosnischen Mitbewohner erneut die Bereitschaft zur gemeinsamen Konfliktlösung bekundet wurde. Nur durch zeitnahe Klärung und das Ansprechen von Konflikten, immer unter Beachtung von gegenseitigem Respekt und Anerkennung, soll es uns doch gemeinsam möglich sein, ein friedliches und ruhiges Zusammenleben in unserem kleinen Städtchen zu organisieren. Die Stadt Annaburg, die örtliche Polizei und auch unsere bosnischen Mitbürger sich daran interessiert und haben ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit erklärt. Bei auftretenden Konflikten sind die Ursachen mit allen Beteiligten zeitnah und klar zu erörtern. Wir sollten dem Anderen höflich sagen können, was uns stört und Ihm damit die Chance geben, zu Veränderungen beizutragen. Hierbei bitte ich Sie Alle um Unterstützung.

Ihr Bürgermeister

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