Leitartikel des Bürgermeisters April 2014

Sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger,

in vielen Bereichen des Landes gibt es Elternproteste, weil Schulen im ländlichen Raum die Mindestschülerzahlen nicht mehr erreichen und Grundschulschließungen drohen. Für unseren Bereich zeichnete sich nur mittelfristig eine sehr knappe Situation für den Standort Prettin ab. Inzwischen nimmt die Einschulungszahl bei der Evangelischen Grundschule Holzdorf deutlich zu, ohne das Holzdorf das Potential selber liefern kann. Die Schüler kommen natürlich aus dem Umfeld, aus Ortsteilen der Stadt Jessen und Annaburg. Das macht die Planbarkeit der Schülerzahlen schwierig und es besteht die reale Gefahr, dass nicht dauerhaft zwei Grundschulen gehalten werden können. Seit diesem Jahr will sich die Evangelische Grundschule Holzdorf zur Gemeinschaftsschule erweitern, das heißt eine Beschulung bis zum Realschulabschluss bzw. zum Abitur anbieten. Wie das funktionieren soll, erschließt sich mir noch nicht, weil dazu eine Vielzahl von Fachlehrern erforderlich ist. Auch gegen Widerstände hat der Kreistag Wittenberg die Sekundarschulstandorte Bad Schmiedeberg, Kemberg und Annaburg durch Zuschnitt der Einzugsbereiche, in unserem Fall durch die Ausdehnung des Einzugsbereiches nach Linda, Neuerstadt, Reicho, Buschkuhnsdorf, Mönchenhöfe so gesichert, dass möglichst eine zweizügige Beschulung auf lange Sicht gesichert ist. Nur bei einer Zweizügigkeit stehen soviel Lehrerstunden im Fachlehrerbereich zur Verfügung, dass nicht zwischen den Schulen gependelt werden muss. Die Sicherung der Zweizügigkeit ist für die Qualität des Unterrichts, aber auch der Zusammenarbeit von Schule und Eltern von Bedeutung. Wir sind als Kommune und Schulträger nur für die baulichen und technischen Voraussetzungen zuständig, müssen aber dennoch ein großes Gewicht auf die Qualität unserer Schulen legen. Denn sollte ein wesentlicher Teil der Schulen wegbrechen und da muss man schon den Blick auf die nächsten zehn Jahre richten, ist auch die Stadt in ihrer Existenz gefährdet. Einige Stadträte, ob aus Eigeninteresse oder mangelnder Weitsicht, sehen das nicht so. Ich glaube, dass die Mitarbeiter der Evangelischen Schule Holzdorf eine engagierte Arbeit leisten, aber jeder, der in Annaburg Verantwortung tragen will, muss zur Sicherung unserer Schulen alles tun und alles unterlassen, was dem schadet. Neben diesen grundsätzlichen Erwägungen hat mich die erst vor kurzem eingegangene Abrechnung der Hortbetreuung an der Schule in Holzdorf für das Jahr 2012 unangenehm überrascht. Wir sollen für das genannte Jahr ~ 12.000,- € für Hortbetreuung Annaburger Kinder nachzahlen. Die Nachrechnung ergab, dass 127,- € pro Kind/Monat geltend gemacht werden. Der Zuschussbedarf in unserem Hort in der Kita Annaburg liegt bei 89,- €/Monat und Kind. Für unseren vorliegenden Haushaltsentwurf für dieses Jahr würde sich für die Jahre 2012, 2013 und 2014 ein Ausgabemehrbedarf von ~ 30.000,- € ergeben, für den es bisher keinen Deckungsvorschlag gibt. Die o.g. Abrechnung ist von mir noch nicht anerkannt und muss von den Beteiligten noch prüffähig vorgelegt werden.

Ich möchte mich auf diesem Wege bei allen bedanken, die mir zu meinem 65. Geburtstag Glückwünsche und Wünsche für die Zukunft persönlich oder auf anderem Wege übermittelt haben und ich bedanke mich insbesondere für die Spenden zugunsten der Jugendfeuerwehr.

Erich Schmidt
Bürgermeister