Sonderausstellung im Amtshaus Annaburg „Auf den Spuren der Reformation“

Seit dem 1. April 2017 ist im Annaburger Amtshaus am Markt die neue Ausstellung „Auf den Spuren der Reformation in Annaburg“ geöffnet. Die Exposition dokumentiert an Hand von Tafeln und bisher nicht gezeigten Exponaten die Verbindung zwischen Lochau-Luther-Friedrich den Weisen und Michael Stifel. Über eine Multimediadokumentation bekommen Sie einen Eindruck von Lochau zur Zeit Martin Luthers.

Beim Dorf Lochau, dem heutigen Annaburg, ließ der aus dem Adelsgeschlecht der Wettiner stammende Kurfürst Friedrich der III. (1463 Torgau – 1525 Lochau) im Jahre 1465 ein massives Jagdschloss errichten. An gleicher Stelle befanden sich bereits hölzerne Jagdhäuser der askanischen Fürsten. Das Jagdschloss Lochau am Rande der großen, gleichnamigen Heide wurde für den jagdliebenden Friedrich zum Lieblingssitz. Das Ernestinische Gesamtarchiv Weimar verzeichnet häufige Aufenthalte mit großem Hofstaat in Lochau.
Der Kurfürst verbrachte auch die Monate Dezember 1524 bis Mai 1525 in Lochau und ließ kurz vor seinem Tod am 5. Mai 1525 nach Luther schicken, der sich wegen der Bauernunruhen im Mansfeldischen aufhielt. Noch auf seinem Sterbebett ließ sich Friedrich durch den Hofprediger Spalatin das Abendmahl auf protestantische Art reichen. Als besonnener, vorsichtiger Kurfürst hatte es Friedrich zu Lebzeiten vermieden, mit dem Reformator zusammenzutreffen. Trotzdem hatte er Zeit seines Lebens seine schützende Hand über ihn gehalten. Weniger weil er den Reformideen Luthers zugeneigt war, vielmehr ging es Friedrich um die Wahrung einer gewissen Selbständigkeit gegenüber Rom.

Von dem kleinen Ort Lochau im sächsischen Kurkreis Wittenberg gingen zur Zeit der Reformation bedeutende Impulse aus. Bereits im Jahre 1516 empfahl Luther seinem Freund, dem kurfürstlichen Hofprediger und Ratgeber Georg Spalatin, in Lochau den geeigneten Magister Günther aus Nordhausen zu verwenden. Günther nahm unmittelbar an den ersten Auseinandersetzungen der Reformation teil und verteidigte unter anderem 2 der 97 Thesen aus einer gedruckten Disputation gegen die scholastische Theologie öffentlich an der Wittenberger Universität. Der Wortführer Günther wurde durch Luther als bekenntnisfreudiger „Bischof von Lochau“ genannt. Nach dem Tod Günthers empfahl Luther dem Kurfürsten, den Magister Michael Stifel aus Esslingen für die Pfarrstelle Lochau einzusetzen. Luther predigte mehrfach in Lochau. Vielfache Aufenthalte zur Kirschernte, so in familiärer Runde bei seinem Freund Stifel, sind nachweisbar.

zur Startseite