Geschichte Annaburgs

Annaburg führte bis 1572 den Namen Lochau. Der Ort wurde auf ebenem, flachem Land erbaut. Seine durchschnittliche Höhe beträgt 76 m über NN.

Nach den Kämpfen um die Vorherrschaft in der Lausitz, der Zurückdrängung slawischer Stämme durch die Marktgrafen der Ostmark, wechselten sich Groitzscher, Askanier und Wettiner in der Vorherrschaft um unser Gebiet ab.

Im 12. Jahrhundert wurden durch Erzbischof Wichmann von Magdeburg (R 1152-1192) und Albrecht dem Bären (R 1134-1170) rheinische und niederländische Bauern zwischen Elbe und Elster angesiedelt. Flämische Siedler bildeten Niederlassungen. Die Ansiedlung veränderte das Gesicht der Dörfer (Einführung Fachwerkbau, Trennung Wirtschafts- und Wohngebäude mit eingefriedetem Hofraum). Für die Entwässerung des überwiegend morastigen und sumpfigen Gebietes wurden die Kenntnisse der aus den Niederlanden einwandernden Kolonisten genutzt.

Die historische Bedeutung beruht auf dem großen und wildreichen Waldgebiet der Lochauer bzw. Annaburger Heide, die sich südöstlich der Stadt erstreckt.

Die Askanier errichteten bereits im 13. Jahrhundert ein Jagdschloss, das 1422 einem Brand zum Opfer fiel. Albrecht III. (R 1419-1422), der nach einem Jagdausflug auf der "Lochau" übernachtete, konnte sich retten, verstarb aber wenig später in Wittenberg kinderlos an den Folgen des Unglücks. Im Zusammenhang mit dem Tode des letzten askanischen Herzogs aus dem Hause Sachsen-Wittenberg fand das Schloss erstmals Erwähnung.

Im Jahre 1498 begannen die Arbeiten zur Anlegung des "Tiergartens". Hier wurden Hirsche und Rehe gehalten (im 18. Jahrhundert sogar Auerochsen und Rentiere).

1577 wurde der Tiergarten durch den Bau der "Quermauer" in zwei Hälften geteilt. Im nördlich gelegenen Teil lag eine Baumschule, das südliche Gebiet (circa 4700 Hektar) diente der Wildhege.

Ein besonderes feudales Vergnügen im 16. Jahrhundert war der Vogelfang in dafür eingerichteten Vogelherden. Die von Friedrich dem Weisen in der "Baumschule" zur Haltung von Karpfen, Hechten und Schleien angelegten Fischteiche wurden durch Kurfürst August I. von Sachsen (R 1553-1886) auf 48 erhöht. August der Starke (R 1694-1733) soll im Jahre 1730 mit dem Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. (R 1688-1740) bei einer einzigen Jagd in der Annaburger Heide 900 Stück Rot- und Rehwild sowie 400 Stück Schwarzwild erlegt haben.

Der Wettiner Friedrich III., der Weise, Kurfürst von Sachsen (R 1486-1525), Förderer der Reformation und Beschützer Martin Luthers (1483-1546), ließ zu Beginn des 16. Jahrhunderts einen massiven Neubau, bestehend aus Vorder- und Hinterschloss, errichten. An der Ausgestaltung des Komplexes waren u.a. so namhafte Künstler wie Lucas Cranach der Ältere (1472-1553), kurfürstlicher Hofmaler, beteiligt. Neben dem Schloss entstanden auch weiträumige Wirtschaftsgebäude (Marstall, Brauhaus). Zu den größten Errungenschaften zählte das um ca. 1502 geschaffene Wasserversorgungssystem.

Das Jagdschloss Lochau mit seinen Gärten, Teichen und Kanälen scheint zum Lieblingssitz des Kurfürsten gehört zu haben. Es sind zahlreiche Aufenthalte mit großem Hofstaat nachweisbar. Friedrich der Weise starb am 5. Mai 1525 in Lochau.

Ein geschichtliches Ereignis verhalf dem Ort Lochau zu fragwürdigem Ruhm. Michael Stifel (1487-1567), der die Lochauer Pfarrstelle übernommen hatte, beschäftigte sich hier erneut mit Mathematikstudien, vor allem mit der Umsetzung von Buchstaben in Trigonalzahlen anhand von Texten der "Heiligen Schrift".Pfarrer Stifel So verkündete Stifel als Ergebnis seiner intensiven Studien für Sonntag, den 19. Oktober 1533 den Weltuntergang, den "Tag des jüngsten Gerichts". Luther mahnte und warnte Stifel vor seinem Irrglauben, auch von kurfürstlicher Seite wurde ihm Schweigen auferlegt. Zu spät, von nah und fern reisten die Gläubigen in Erwartung des großen Tages nach Lochau. Viele verkauften ihr Hab und Gut, um es in den Dorfschenken zu verzechen. Als das Ereignis ausblieb, musste Stifel durch kurfürstliche Beamte vor der aufgebrachten Menge in Sicherheit gebrachtet werden. In seinen letzten Lebensjahren übernahm er an der Jenaer Universität einen Lehrstuhl für Mathematik. Er war Mitentdecker der Logarithmen und gilt als einer der größten deutschen Algebraiker des 16. Jahrhunderts.

Eine neue Glanzzeit für Schloss und Ort Lochau begann unter der Regentschaft Kurfürst August I. von Sachsen (R 1553-1586), der das Schloss Friedrich des Weisen 1571 abreißen und von 1572-1575 neu bauen ließ. Grund dafür dürfte seine Jagdleidenschaft und die wildreiche Lochauer Heide gewesen sein. Leiter des Schlossbaues war Wolf von Kanitz, kurfürstlicher Rat und Hofmeister, und Baumeister war Christoph Tendler.Hinterschloß

Für die Gemahlin des Kurfürsten, Anna Auguste, Tochter Christian III. von Dänemark, diente dieses Schloss als Aufenthaltsstätte, in der sie sich alchimistisch und hauswirtschaftlich betätigte. So betrieb sie ein Destillierhaus, beschäftigte sich mit der Herstellung von Medizin, Obst- und Kräuteranbau, Aquavitherstellung und Kochkunst. Schloss Annaburg beherbergte die erste sächsische Hofapotheke.

In ihrem Elternhaus wurde der Grundstein für eine tiefe, der lutherischen Lehre verbundene Frömmigkeit gelegt. Die in späteren Jahren oftmals bewiesene Barmherzigkeit trug ihr im Volksmund den Namen "Mutter Anna" ein. 1573 wurde sie Namensgeberin für Schloss und Stadt Annaburg. Kurfürst August bewahrte auf Schloss Annaburg den Grundstock der königlich-sächsischen Landesbibliothek mit 2.354 Bänden.

Nach dem Tode Annas und Augusts I. wurde das Schloss von den sächsischen Kurfürsten nur noch für gelegentliche Jagdaufenthalte genutzt.

Die Gebäude gerieten im 17. Jahrhundert in Verfall, wobei vor allem der verheerende Dreißigjährige Krieg (1618-1648) zur Folge hatte, daß die kostbare Innenausstattung bis auf wenige Zeugnisse verloren ging.

Das unmittelbar neben dem Schloss gelegene Amtshaus wurde 1578 nach einem Brand neu errichtet und beherbergt heute das stadtgeschichtliche Museum.

Im Jahre 1762 wurde das bereits 1738 gegründete Militär-Knaben-Erziehungs-Institut von Dresden nach Annaburg verlegt.

Als Folge der Befreiungskriege fielen Schloss und Institut nach 1815 an Preußen. Diese Anstalt, die teilweise bis zu 700 Zöglinge aufnahm, wurde mit der ihr angegliederten Unteroffiziersvorschule 1921 aufgelöst.

Annaburg hatte ursprünglich 4 Stadttore, aber keine eigentliche Befestigung. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts zählte der Ort etwa 150 Häuser und circa 1000 Einwohner.

Ab 1870 waren in dem landwirtschaftlich geprägten Marktflecken die Anfänge der Industrialisierung zu erkennen. Neben Holzsägereien bildete die Steingutfabrik die wichtigste Einkommensquelle für die Einwohner.

Seit Beginn des 19. Jahrhunderts bis Mitte des 20. Jahrhunderts erhöhte sich die Bevölkerung fast um das Vierfache.

Annaburg trägt seit dem Jahre 1678 ein eigenes Stadtwappen. Dieses Wappen mit seinen roten Rosen erinnert an das alte Lochauer Wurzelwort gloln = Heckenrose. Tatsächlich hat es in früheren Zeiten um Annaburg reichlich Heckenrosen gegeben. Nach dem "Deutschen Städtebuch" führte das älteste Annaburger Wappen in Silber auf grünem Grund einen natürlichen Rosenstrauch mit drei roten Rosen. Das spätere Siegel zeigt einen auf Rasen stehenden Rosenbaum mit fünf Rosen. Es wird davon ausgegangen, daß die fünf roten Rosen sich auf die fünf Stadtteile beziehen.

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